Gefährte meiner Nacht
von Antje S. Naegeli

 Wenn die Finsternis

Immer finsterer wird

und die Nacht uns zu verschlingen droht,

wollen wir dessen eingedenk sein,

dass Ostern anbrach,

als es Nacht war.

 

Wenn sich die dunkle Nacht

der Schwermut

einer eisernen Klammer gleich

um meine Seele legt

und alles Leben aus mir weicht,

lass mich in deine Hände fallen, Gott,

denn du bist meine Zuflucht

in der Nacht der Seele.

Alle Kraft ist dein:

die Kraft zu bergen

und zu trösten,

die Kraft aufzurichten

und zu heilen,

zu verwandeln

und zu erneuern,

lebendig zu machen

und Hoffnung zu wecken.

Du lässt es Tag werden in mir,

und im Morgengrauen

werde ich erkennen:

Du warst Gefährte meiner Nacht.

 

Palmsonntag

Ich höre die Leidensgeschichte Jesu,
die verknüpft ist mit so vielen Menschen:
Frauen und Männern,
Mächtigen und Ohnmächtigen,
Anhängern und Feinden,
Getreuen und Verrätern,
Verstockten und Reumütigen,
Grausamen und Mitleidenden,
Bekannten und Namenlosen.

Und ich?
Was hat das mit mir zu tun?
Komme auch ich in dieser Geschichte vor?
Zu welcher Gruppe muss ich mich zählen?

Wie hätte ich mich damals verhalten?
Wie verhalte ich mich heute?

Was ist dieser Jesus mir wert?
Um welchen Preis verkaufe ich ihn?
Wo setze ich mich für ihn ein?
In welche Ausreden flüchte ich mich?
Wo zeige ich Farbe?
Wann verberge ich mein Christsein?

Leidensgeschichte - damals wie heute.
Welche Rolle spiele ich darin?

© Gisela Baltes

I

Lässt sich sagen, wer Recht hat?

Jean- Paul Sartre „Die Hölle, das sind die anderen“ oder

Luise Rinser „Die anderen, das ist Gottes großes Angebot zur Liebe“

 Es ist leicht Sartre recht zu geben. Wer die Zeitung in die Hand nimmt kann sich jederzeit überzeugen von dem Unrecht und der Grausamkeit, die Menschen einander antun. Es berührt uns oft nicht einmal, weil wir aus Selbstschutz oder Herzensträgheit vieles gar nicht an uns heranlassen. Wir wollen uns abseits halten, solange es nicht uns oder unsere Liebsten trifft.

 Herr, vergib uns die Trägheit unserer Herzen, die Sünden durch Unterlassung und Wegschauen.

 Manchmal aber trifft uns unerwartet ein Weckruf, mir geschehen, als mir das schmale Bändchen „Septembertag“ von Luise Rinser in die Hände fiel. Sie schildert einen einzigen Tag ihres Lebens in Rom, den sie als Schriftstellerin zwischen vielen kleinen unauffälligen Begegnungen mit den verschiedensten Menschen verbringt. Manche fordern sie heraus, manche verstören sie, aber sie will sich nicht heraushalten. Ihr Wunsch und ihr Ziel ist es, daheim zu sein unter Menschen, Schicksalen und Schmerzen, denn diese sind die Mitte der Welt. In ihre Klarsichtigkeit erkennt sie: „Sartre hat nicht recht, die anderen sind nicht die Hölle; die anderen, die sind das große Angebot der ewigen Liebe“.

 Herr, hilf uns, in unseren Nächsten dich zu suchen und zu finden.

 

Herr, mach uns zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass wir lieben, wo Hass ist;

dass wir verzeihen, wo man beleidigt;

dass wir verbinden, wo Streit ist;

dass wir die Wahrheit sagen, wo Irrtum ist;

dass wir Glauben bringen, wo Zweifel droht;

dass wir Hoffnung wecken, wo Verzweiflung quält;

dass wir ein Licht entzünden, wo die Finsternis regiert;

dass wir Freude bringen, wo der Kummer wohnt.

 (aus einem dem Hl. Franziskus zugeschriebenen Gebet)

                         

                Von Papst Johannes XXIII.

 

Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben,

ohne alle Probleme meines Lebens

auf einmal lösen zu wollen.

 

Ich werde heute niemanden kritisieren, ja ich werde nicht

danach trachten, die anderen

zu korrigieren oder zu verbessern.

Nur mich selbst.

 

Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein,

dass ich für das Glück geschaffen bin; für diese Welt.

 

Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist die Lektüre notwendig

für das Leben der Seele.

 

Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen.

Und ich werde es niemandem erzählen.

 

Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -  ,

dass die gütige Vorsehung Gottes

sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

 

Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist, und an die Güte zu glauben.“

                       

Kreuzweg

Ostern, das Fest der Auferstehung, ist die Mitte des christlichen Glaubens (vgl. 1 Kor 15,17-20). In der Vorbereitungszeit auf Ostern war es seit jeher üblich, den Weg des Leidens und Sterbens Jesu, wie es die Evangelien überliefern, betrachtend und betend nachzugehen. Ausgangspunkt war, in zunehmender Weise seit dem 14. Jahrhundert, die Via dolorosa in Jerusalem. Von dem historischen Ort aus hat sich der Brauch, dem letzten Weg Jesu pilgernd zu folgen, im Abendland verbreitet. Auch wenn es neben dem Kreuzweg noch andere Formen der Betrachtung des Leidens und Sterbens Jesu gibt, wie den Schmerzhaften Rosenkranz, die Betrachtung der Sieben letzten Worte, das Hören und Lesen der Passion und die Teilnahme an der Karfreitagsliturgie, so kommt doch dem Mitgehen des Kreuzweges eine besondere Bedeutung zu. Hier drückt sich bei den Teil-nehmenden die Bereitschaft aus, in der Nachfolge Jesu das Kreuz mitzutragen.
Eine heutige Betrachtung des Kreuzweges kann nicht historisierend den Blick nur zurückwenden, sondern wird danach fragen, wo Jesus heute mitleidet und das Kreuz trägt
Gott, dein Kreuzweg zeigt uns, wie Menschen zu Opfern gemacht und geopfert werden.
Gott, dein Kreuzweg fordert uns auf, Zivilcourage zu zeigen, auf der Seite der Schwachen zu stehen.
Wir können nicht allen helfen, aber wir können wenigstens handeln wie Veronika, die Jesus das Schweißtuch reicht.

 

       

                     Gebet zur geistlichen Kommunion

                        (Hl. John Henry Newman)

                                      

                                        Lieber Jesus,

     durchflute unsere Herzen mit deinem Geist und Leben.

      Durchdringe unser ganzes Sein und nimm es in Besitz,

                                        so vollständig,

      dass unser Leben einzig ein Ausstrahlen deines Lebens sei.

             

                Leuchte durch uns hindurch und wohne so in uns,

                            damit jeder, dem wir begegnen,

                  deine Gegenwart in unseren Herzen erspürt.

                           

                                           Bleibe bei uns,

         dann werden wir zu leuchten beginnen, wie du leuchtest.

          Lass uns dich so verherrlichen, wie es dir am liebsten ist,

                 indem wir für die Menschen um uns ein Licht sind.

                                                         

                                                  Amen!

                      

                         Gebet bei den Töpfern von TAIZE

                                   
                                    Herr, mache mich zu einer Schale,

                                            offen zum Nehmen,

                                  offen zum Geben,

                                  offen zum Geschenkt werden,

                                  offen zum Gestohlen werden.

 

                                 Herr, mache mich zu einer Schale für dich,

                                              aus der du etwas nimmst,

                                   in die du etwas hineinlegen kannst.

                                   Wirst du bei mir etwas finden,

                                    was du nehmen könntest?

                                    Bin ich wertvoll genug, so dass Du

                                    In mich etwas hineinlegen wirst?

 

                             Herr, mache mich zu einer Schale für meine Mitmenschen,

                                                offen für die Liebe, offen für das Schöne,

                                     das sie verschenken wollen,

                                      offen für ihre Sorgen und Nöte,

                                      offen für ihre traurigen Augen und ängstlichen Blicke,

                                      die von mir etwas fordern.

 

                                                   Herr, mache mich zu einer Schale.